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Presse

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Augsburger Allgemeine 12.02.2014

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Augsburger Allgemeine 04.01.2014

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Augsburger Allgemeine 21.03.2013

Von ÄRA haben vier Mitglieder den Kooperationsvertrag mit unterschrieben (Dres. Bartusch, Reitz, Willsch und Schweitzer). Die Kooperation ist wurde vom Augsburger Kreistag angeregt, bei dessen Beratung ÄRA maßgeblich beteiligt war.

Nachwuchsmediziner dringend gesucht ...
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Augsburger Allgemeine - 11.10.2012

Die Stimmung ist mies ...
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Augsburger Allgemeine - 28.11.2011


Was kommt, wenn der letzte Hausarzt geht?

„Ärzte Region Augsburg“ sorgen sich über die ländliche Versorgung im Kreis

Landkreis Augsburg/Zusmarshausen Der allgemeine Hausärztemangel, besonders im ländlichen Raum, war Thema einer Diskussion mit etlichen Ärzten aus dem Landkreis in Zusmarshausen. Eingeladen hatten die „Ärzte Region Augsburg“ zu einem Vortrag zu der Frage, ob die hausärztliche Versorgung auf dem Lande noch zu retten sei. Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, „über die gegenwärtige Situation und Politik, den ausufernden Bürokratismus sowie die zu erwartenden Auswirkungen auf die Bevölkerung und Kommunen zu informieren“, so Dr. Jörg Bartusch, Allgemeinmediziner aus Dinkelscherben.

Und diese Besorgnis war den Ärzten auch anzusehen. Kollege Dr. Bernd Reitz informierte über die Fakten: Durchschnittlich betreue ein Hausarzt auf dem Land 883 Patienten. Anhand eines Rechenbeispiels zeigte er auf, wie viel ein Arzt pro Hausbesuch ungefähr verdient. Demnach blieben dem Mediziner nach Abzug der laufenden Kosten, wie beispielsweise Praxisunterhalt, Verbrauchsmaterial und Personal, und vor Steuern nur noch knapp 10 Euro je Stunde. Ein weiteres Problem sei auch die Effizienz, denn „von der Arbeitszeit gehen ca. 40 Prozent an der Bürokratie verloren, die die Vielzahl der Reformen der Politik verursacht haben“, so Feldbauer. All diese Faktoren würden dazu führen, dass der Job als ländlicher Hausarzt immer unattraktiver würde, so das Fazit. Als Lösung könnten beispielsweise Patientenzusammenschlüsse fungieren, welche gemeinsamen Druck auf die Krankenkassen und die Politik ausüben.

Doch solche Maßnahmen seien schon längst fällig. „Das Durchschnittsalter deutscher Ärzte liegt bei 51, das der Hausärzte auf dem Lande bei 59 Jahren“, so Bartusch. Demnach würde bis zum Jahr 2020 rund die Hälfte aller bayerischen Hausärzte, ca. 3500, in den Ruhestand gehen. „Man muss kein Mathematiker sein, um sich auszurechnen, wann auch in unserem Bereich das Praxissterben beginnt“, so der Allgemeinmediziner. Für die Kommunen würde dies bedeuten, dass ein Zuzug junger Familien aufgrund mangelhafter medizinischer Versorgung auf dem Lande verhindert würde. Weiterhin sieht er erhebliche Probleme im Bezug auf den demografischen Wandel. „Wer versorgt die älteren Mitbürger, die weder transportfähig sind noch ein Fahrzeug besitzen? Wer macht dann die Hausbesuche?“, so Bartusch.

Versorgungszentren werden kritisch gesehen

Weiteres Thema war das Modell der medizinischen Versorgungszentren, denen die ländlichen Ärzte sehr kritisch gegenüberstanden. Problem dabei sei unter anderem ein mangelnder Bezug der Patienten zu einem bestimmten Arzt sowie die gewinnorientierte Führung solcher Einrichtungen. „Wenn Gesundheit um jeden Preis wirtschaftlich geführt wird, so ist es möglich, dass bei der Versorgung des Patienten gespart wird“, so Markus Linnemann aus Welden.

Eine angeregte Diskussion mit dem Publikum entstand, als über die Rolle der Kommunen gesprochen wurde. Einige Gäste waren der Ansicht, die Kommunalpolitik könne entsprechende Anreize für die Niederlassung von Ärzten in der Region schaffen. Diesem widersprachen die Bürgermeister und Mediziner und schilderten ihre Machtlosigkeit. Der Druck müsse zwar von den Bürgern kommen, Änderungen am System seien jedoch nur durch die Politik umzusetzen. (mick)

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Archiv

| Krumbach 14.01.09 | Münchner Merkur 10.12.08 | Neue Presse 01.02.08 | Mittelbayerische Zeitung 01.02.08 | Süddeutsche Zeitung 31.01.08 | Münchner Merkur 31.01.08 | Leserbrief |


Krumbach 14.01.2009  - Der Gesundheitsfond bedroht die hausärztliche Versorgung der Bürger in der Region!  Davon zeigten sich bei einer außerordentlichen Versammlung Hausärzte aus den Gemeinden Krumbach, Thannhausen und Neuburg überzeugt. Im Gasthof Falk in Krumbach kamen jetzt rund 15 Mediziner zusammen, um über gemeinsame Aktionen zu beraten. So soll es in den nächsten Tagen zu Flugblattaktionen und Plakatierungen in allen hiesigen Hausarztpraxen kommen, um auf die drohende Notlage aufmerksam zu machen. Als möglichen Ausweg aus der Misere wird der flächendeckende Abschluss von Hausarztverträgen nach dem Vorbild der AOK Baden-Württembergs gesehen.

Es sei von vornherein klar gewesen, dass insbesondere Bayern und Baden-Württemberg zu den Verlierern der Gesundheitsreform gehören würden. Dass die Einschnitte für Haus- und Fachärzte aber so gravierend werden würden, damit hatten auch die hiesigen Hausärzte nicht gerechnet, gibt Dr. Hans-Peter Hadry aus Niederaunau zu. In den letzten Tagen erhielten alle Ärzte unangenehme Post von der Kassenärztlichen Vereinigung, in denen ihnen ihre neuen Budgets für das 1. Quartal 2009 mitgeteilt wurden. Dies hat uns alle geschockt, so Dr. Roland Herrmann aus Thannhausen.

Folge der Neuregelungen sei, dass die Ärzte nun mit deutlich weniger Geld für die Versorgung ihrer Patienten auskommen müssen. Zum einen seien die Grundpauschalen deutlich abgesenkt worden, zum anderen werden die Einzelleistungen miserabel bezahlt. So erhält ein Hausarzt beispielsweise für einen regulären Krankenbesuch nur noch 15,40 € plus Fahrtkosten. Das alleine sei schon eine Frechheit, aber wenn die ohnehin engen Budgets auch noch ausgeschöpft sind, dann müssen die Hausärzte die Besuche gänzlich umsonst erbringen, schimpfen die Ärzte.

Viele Kollegen würden bereits ihre Patienten darauf vorbereiten, dass sie ihre Hausbesuchstätigkeit deutlich einschränken müssen, war am Rande der Versammlung zu erfahren. Tätigkeiten unter dem Selbstkostenpreis können wir einfach nicht mehr erbringen, sagen die Mediziner – auch wenn ihnen solche Entscheidungen gänzlich gegen ihre Berufsehre gehen.

Schuld an der vertrackten Situation geben die Mediziner vor allem der Politik in Berlin. Aus ihrer Sicht ist der Gesundheitsfond ein Missgriff, der nur zu Mehrkosten und weiterer Bürokratie führt. Schwer verärgert sind die Hausärzte aber auch über die Kassenärztliche Vereinigung, die Mittler zwischen den Ärzten und den Kassen ist. Trotz gegenteiliger Beteuerungen sei es unter ihrer Aufsicht für die Hausärzte beständig abwärts gegangen. Die Hausärzte haben die Nase nun endgültig voll – sie wollen nur noch raus aus der Vereinigung und über den Hausärzteverband ihr Schicksal selber in die Hände nehmen.

Trotz aller Verärgerung scheint es dennoch etwas Licht in der Misere zu geben. Ein Ausweg könnten Hausarztverträge sein, über die Ärzte direkt Honorarvereinbarungen mit einzelnen Kassen schließen können. Hierdurch könnten sie wieder die notwendigen Mittel für die Versorgung ihrer Patienten bekommen. Dass Krankenkassen solche Hausarztverträge anbieten müssten, sei inzwischen sogar gesetzlich vorgeschrieben, erklärt Dr. Max Drexel Krumbacher Ärzte-Obmann.

Die AOK Bayern habe als einzige Kasse für 2009 die Fortsetzung des bestehenden Hausarztvertrags unter verbesserten Bedingungen fest zugesagt. Die Ersatz- und Betriebskrankenkassen waren dagegen aber bislang nicht bereit, über den Abschluss solcher Hausarztverträge mit den Hausärzten zu verhandeln. Daher werden sich Protestmaßnahmen in den kommenden Wochen vor allem gegen diese Kassen richten, kündigten die Mediziner an.

Verständnis äußerten die Hausärzte auch für die Situation der Fachärzte. Diese hätten unter dem Gesundheitsfond ebenso zu leiden. Kein Verständnis haben die Hausärzte allerdings , dass die Fachärzte ausschließlich gezielt die AOK angreifen, möglicherweise nur weil sie mit den Hausärzten den Hausarztvertrag geschlossen habe. Die Fachärzte würden von den anderen Kassen auch nicht besser bezahlt. 

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Süddeutsche Zeitung

Datum 31. 01. 2008

Seite 37

Ressort Bayern

„Man hungert uns eben aus”

Der Aufstand der Ärzte

In Nürnberg drohen 8000 Mediziner mit dem Ausstieg aus dem System der Krankenkassen

Von Dietrich Mittler

Nürnberg – In einer bundesweit beispiellosen Protestaktion haben fast 8000 Hausärzte am Mittwoch in der Nürnberger Arena ihre Wut über „die Versklavung” durch das Kassensystem zum Ausdruck gebracht. Wolfgang Hoppenthaller , der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes , rief seine Kollegen dazu auf, kollektiv die Kassenzulassung zurückzugeben. Zu diesem Zweck waren in der Nürnberger Arena überall Behälter aufgestellt, in die die Ärzte Schreiben einwerfen konnten, auf denen sie ihre Bereitschaft zum Systemaustritt bekunden. Die wirtschaftliche Situation der meisten Hausärzte sei mittlerweile untragbar, begründete Hoppenthaller diesen radikalen Schritt. Ein Systemausstieg sei die einzig konsequente Antwort auf die Wegrationalisierung der hausärztlichen Versorgungsebene durch die Sozialpolitik. Das Ergebnis der Auszählung soll einige Tage nach der Großveranstaltung feststehen.
Die Protestveranstaltung in Nürnberg und vor allem ihr Ergebnis wird bundesweit mit Spannung beobachtet – sowohl von vielen Ärzten, die mit dem Gesundheitssystem unzufrieden sind, als auch von der Politik. „Dieser Tag – je nachdem, wie Sie sich heute entscheiden – kann ein geschichtsträchtiger Tag für die gesamte deutsche Vertragsärzteschaft und die ambulante ärztliche Versorgung unserer Bevölkerung werden”, sagte Hoppenthaller laut Redemanuskript. Die Bundesregierung wolle den Beruf des Hausarztes abschaffen, um „klammheimlich amerikanischen Kapitalgesellschaften die Tür zu unserem sozialen Gesundheitssystem zu öffnen”. Mit Call-Centern sollten künftig Patienten-Ströme in die konzerneigenen Klinikketten gelenkt werden. „Und da sind wir Hausärzte die Störfaktoren”, sagte Hoppenthaller , dem die Zuhörer stehend applaudierten: „Nachdem man uns nicht exekutieren kann, hungert man uns eben aus.” Wer als Hausarzt jetzt nicht aus dem System aussteige, werde dies bereits 2009 bitter bereuen. 2009 sei für die Hausärzte, die im Kassensystem bleiben wollen, mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 20 bis 30 Prozent zu rechnen.
Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) warnte die Hausärzte indessen eindringlich davor, den Forderungen Hoppenthallers zu folgen. „Ich halte nichts davon, jetzt auf Druck des Hausärzteverbandes die eigene Existenz aufs Spiel zu setzen”, sagte Vorstandsmitglied Gabriel Schmidt, der in der KVB die Hausärzte vertritt. Nicht umsonst sei vor knapp 75 Jahren die Vertragspartnerschaft von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen eingerichtet worden. „Dies geschah vor allem deshalb, um den Ärzten Verhandlungen auf gleicher Augenhöhe mit den Krankenkassen zu ermöglichen”, sagte Schmidt vor der Protestveranstaltung in der Nürnberger Arena.
Bei den Krankenkassen stößt die Position des Bayerischen Hausärzteverbandes auf Unverständnis. In Bayern stellten die Kassen so viel Honorar zur Verfügung, „dass das Vergütungsniveau der Ärztinnen und Ärzte im Freistaat etwa zwölf Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt”, sagte Helmut Platzer, der Vorstandschef der AOK Bayern. In der Spitze gebe es sogar 20 Prozent mehr Honorar als im restlichen Bundesgebiet. Hoppenthaller gefährde mit seiner Aufforderung zum Systemausstieg ohne Not „die wirtschaftliche Existenz Tausender Praxen”.
Abbildungen Bayerische Hausärzte demonstrierten am Mittwoch gegen niedrige Honorare in Nürnberg. Sie stiegen in Weidenkörbe, um Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt symbolisch einen Korb zu geben. Foto: ddp

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Mittelbayerische Zeitung

Datum 01. 02. 2008

Seite 000

Rubrik Ausgabe: Neumarkt

Ressort Lokales Neumarkt_4

Hausärztin: "Wir haben eine Lawine losgetreten"

Nürnberger Protestaktion Neumarkter Mediziner hoffen auf Solidarität ihrer Patienten

NEUMARKT. Die Hausärzte machen Ernst: Gestern brachten mehr als 6000 von ihnen in der Nürnberger Arena ihre Wut über Arbeitsbelastung und den für 2009 anstehenden Gesundheitsfonds zum Ausdruck. Die Hausärzte konnten die Erklärung ihres "Systemaustritts" in eigens aufgestellte Behälter einwerfen. Auch Ärzte aus Stadt und Landkreis Neumarkt haben ihren Austritt aus der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) erklärt.
Dr. Marie-Luise Vogel, Neumarkter Allgemeinärztin und Oberpfälzer Bezirksvorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbands, hat die Protestveranstaltung mitorganisiert. Diese sei ein Erfolg gewesen, berichtete sie dem Tagblatt: "Wir haben eine Lawine losgetreten." Die Hausärzte hätten sich die Entscheidung sehr schwer gemacht, so Vogel. Doch wenn 5000 bis 6000 Ärzte wegbrächen, fehlten der KVB ebenso viele Beitragszahler. Damit falle das Standbein der KVB. Die Krankenkassen wollten die Hausärzte in der KVB sehen, um sie abhängig zu halten. Diese habe sich zum verlängerten Arm der Politik entwickelt und überziehe die Ärzte mit Regressforderungen - manchmal in sechsstelliger Höhe. In der KVB herrsche "ein autoritärer bis totalitärer Führungsstil. Sie ist nicht in der Lage, für uns bessere Bedingungen zu erstreiten". Stattdessen sei das Gesundheitssystems bereits amerikanisiert: Wenn alte Menschen weite Wege in Gesundheitszentren auf sich nehmen müssten, beginne der Ausverkauf des ländlichen Raums. Auch Dr. Harald Uhl, Allgemeinarzt aus Dietfurt und Delegierter des Hausarztverbandes hat mit drei Kollegen seiner Gemeinschaftspraxis seine Zulassung zurückgegeben. "Wenn es beim Status Quo bleiben würde, wären wir gestern wohl nicht ausgetreten", sagte Uhl. Doch die extremen Einbußen, die durch die Einführung des Gesundheitsfonds im Jahr 2009 auf die Hausärzte zukämen, zwängen sie zum Handeln. Dieser will die Ausgaben in allen Bundesländern angleichen. Auf 500 Millionen Euro schätzt Uhl die Summe, die der KVB für Honorar verloren ginge - wenn es nicht zu einer politischen Entscheidung kommt, die den Abfluss von Mitteln aus Bayern in andere Bundesländer stoppt. Uhl schätzt, dass 2009 25 000 Euro pro Arzt fehlen werden: "Einen solch gigantischen Gewinneinbruch hält kein Arzt aus."

Bei der Auseinandersetzung mit den Krankenkassen hoffen die Ärzte auch auf die Patienten als ihre Verbündeten - auch wenn den Hausärzten gedroht werde, die Versorgung mithilfe tschechischer Kollegen zu gewährleisten. Uhl: "Ich hoffe darauf, dass die Patienten dann sagen, dass sie lieber von mir behandelt werden möchten." (kk)

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Neue Presse - 01. 02. 2008


Protest in Nürnberg | 7500 Mediziner demonstrierten Zusammenhalt - Notar musste im letzten Moment ausgetauscht werden

Ärzte solidarisch: „In den Urnen krachte es nur so“

Von Eva Fiedler

Kronach – „Ich bin jetzt noch überwältigt, es war grandios“, sagt die Vorsitzende des Hausärzteverbandes Bayern im Bezirk Oberfranken, Dr . Petra Reis-Berkowicz , nach der Großveranstaltung der Hausärzte am Mittwoch in Nürnberg. In der Arena hatten Tausende von Medizinern ihre Verzichtserklärung zur Kassenarztzulassung in Urnen geworfen und damit demonstriert, dass sie in den nächsten Wochen diese Rückgabe wahrmachen werden. „Die Halle hat fast 8000 Sitzplätze, sie war nahezu voll besetzt“ , so ReisBerkowicz , „von uns Oberfranken waren fast alle da.“ Am Mittwoch sei es ganz deutlich geworden, dass die bayerischen Hausärzte die gegenwärtige Gesundheits- und Sozialpolitik nicht länger hinnehmen werden. „Man hat durch mehrere intransparente Gesetzesänderungen dem Bürger verschwiegen, wie sich seine ambulante medizinische Versorgung vor Ort verändern und verschlechtern wird. Die Praxen können wirtschaftlich nicht mehr überleben und den Patienten nimmt man den Hausarzt . Das ist ein Skandal“, kritisiert Dr. Reis-Berkowicz . Laute Buhrufe seien zu hören gewesen, als die Vertreter von MEDI, der freien Ärzteschaft und vom Berufsverband der mitarbeitenden Ehefrauen sowie die Publizistin Renate Hartwig deutlich gemacht hatten, dass der Gesetzgeber mit jeder neuen Gesundheitsgesetzesreform das Gesundheitswesen nationalen und internationalen Kapitalgesellschaften den Zutritt ermöglicht habe: „Gewinnorientierte Unternehmen etablieren sich am Markt und betreiben medizinische Großpraxen, die so genannten medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Versichertenbeiträge fließen schon jetzt nicht mehr in die Versorgung , sondern in die Taschen der Investoren. Was Ärzte zukünftig medizinisch noch machen dürfen hängt vom Börsenkurs ab. Damit wird sich die Versorgungsqualität zwangsläufig verschlechtern, denn angestellte, weisungsgebundene Ärzte sind ihrem Arbeitgeber verpflichtet und müssen Unternehmerwohl über Patientenwohl stellen.“ Für die Bezirksvorsitzende steht, genauso wie für ihre oberfränkischen Kollegen, fest: „Wir lassen uns nicht von Krankenkassen diffamieren. Wir fordern, dass sich die Kassen ihrer sozialen Verantwortung stellen und den Zugang der Patienten zu ihren Hausärzten weiterhin ermöglichen. Und wir lassen uns auch nicht drohen, indem man den Patienten sagt, wir dürften sie nicht mehr behandeln.“ Dies geschehe natürlich nach wie vor, „denn das hat mit der Rückgabe unserer Zulassung an die Kassenärztliche Vereinigung nichts zu tun.“ Das Thema KV sei für Bayerns Hausärzte definitiv erledigt. Schon in wenigen Wochen werde man den Kassen die Vertragsvorstellung der Ärzte zukommen lassen, „dann kann man sich an einen Tisch setzen und über die weitere Versorgung der Patienten diskutieren.“
Ärgerlich wird Dr . Reis-Berkowicz , wenn man ihr und ihren Kollegen vorwirft, sich ihrer sozialen Verantwortung nicht bewusst zu sein. „Wir sind das durchaus und erwarten das Gleiche von den Kassen.“ Die Ärzteschaft wolle schließlich nur die Abrechnungsstelle verändern, man wolle Vertragskompetenz, denn nur dann könne man die Versorgung der Patienten mitgestalten. „Die Ärzte haben am Mittwoch getobt, es war teils sehr emotional. Es hat nur so gekracht in den Urnen, obwohl man von Staatsseite mit aller Macht versucht hat, das zu verhindern“, verrät Dr. Reis-Berkowicz über Ränkespiele im Vorfeld.
Das Justizministerium habe sich wenige Tage vor der Versammlung in Nürnberg an den Präsidenten der Landesnotarkammer Bayern gewandt. „Man war der Meinung, dass ein Notar gegen seine Berufsordnung verstößt, wenn er die Verzichtserklärung der Ärzte entgegen nimmt.“ Der Vorstand des Hausärzteverbandes habe daraufhin einen Anwalt aus Kiel beauftragt und damit kurz vor der Protestveranstaltung noch den Treuhänder gewechselt, um den bayerischen Notar nicht zu gefährden. Im Saal hätten die Kollegen dann am Mittwoch zu Dutzenden gerufen: „Das sind Stasi-Methoden!“ „Einem Notar in seiner Tätigkeit einen Verstoß gegen die Berufsordnung vorzuwerfen, das ist ein Novum“, kommentiert Dr. Reis-Berkowicz dieses Vorgehen des Justizministeriums. Außerdem sieht sie einen „schönen Widerspruch“ darin: „Auf der einen Seite sagt man, man braucht uns nicht, Tausende von Kollegen warten nur darauf, unsere Position einnehmen zu können. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht aus dem System raus.“
Staatsregierung und Krankenkassen sind jetzt am Zug und sollten tatsächlich 70 Prozent der Vertragsärzte den Systemwechsel vollziehen, müsse im Interesse der Patientenversorgung eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Im Kampf um die Zukunft des „Gesundheitsmarktes“ seien sich die Gegner der Hausärzte nicht zu schade, den Medizinern Profitgier vorzuwerfen. „Unser Praxisumsatz spielt ja nur deshalb eine Rolle, weil damit die Überlebensfähigkeit unserer Praxen zusammenhängt. Dass wir unsere Arbeit mit Qualität leisten können, ist ja damit direkt verknüpft. Profit werden in Zukunft Börsen notierte Kapitalgesellschaften machen, die Geld aus den Versichertenbeiträgen in die Taschen der Aktionäre fließen lassen. Und weil wir das Störelement in diesem Umbauvorgang sind, muss man uns vorher eliminieren – und das macht man betriebswirtschaftlich.“ Selbstverständlich würden Bayerns Hausärzte weiterhin lückenlos für die Versorgung ihrer Patienten da sein, „die Leute werden auch keine Rechnungen von uns bekommen.“ Die gingen an die Krankenkassen.
„Oberfranken kann die Speerspitze für den Erhalt der bayerischen hausärztlichen Versorgung sein, das schließt eine bundesweite Auswirkung nicht aus“, meint die Allgemeinärztin aus Gefrees.

Seitentitel Kronach KRONACH

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Münchner Merkur - 31. 01. 2008

 

Ressort Politik

Aufschrei der Hausärzte

Bayerns Hausärzte machen Druck: Rund 9000 Mediziner demonstrierten gestern in Nürnberg gegen sinkende Honorare und wachsende Belastungen. Wie viele Ärzte aus Protest ihre Kassenzulassung zurückgaben, blieb allerdings unklar.

9000 Mediziner Protestieren in Nürnberg

Von Steffen Habit

Nürnberg – Normalerweise treten in der Nürnberger Arena Popstars auf. Robbie Williams war schon da und Herbert Grönemeyer. Heute ist Wolfgang Hoppenthaller gekommen.Für die etwa 9000 Mediziner aus ganz Bayern ist der Chef des bayerischen Hausärzteverbandes ebenfalls ein Superstar. Er hat den Kampf gegen die Kassenärztliche Vereinigung in Bayern (KVB) und ihren Vorsitzenden Axel Munte aufgenommen – für viele Ärzte in der Halle der Hauptschuldige für ihre Misere. Hoppenthaller weiß, wie man die Massen anstachelt. Erst singen die Scorpions vom „Wind of Change“, dann begleiten dramatische Klänge aus der Oper Nabucco Hoppenthallers Einzug in die Arena. 9000 Ärzte trommeln, klatschen, pfeifen. Der charismatische Mediziner aus Siegenburg spielt den Superstar. Siegesgesten für die Kameras. Dann tritt er ans Rednerpult: „Die gefüllten Ränge sind der Beweis, dass sich Bayerns Hausärzte nicht länger unterdrücken lassen“, ruft der Verbandschef in die Menge. Genau das wollen die Ärzte hören. Endlich jemand, der ihre Probleme beim Namen nennt. Schnell ist Hoppenthaller bei seinem Lieblings-Gegenspieler, dem Chef der KVB: „Herr Munte, Ihr korrumpiertes System wollen wir nicht mehr!“ Seit langem vertrete die KVB nicht mehr die Interessen der Hausärzte. Der Systemausstieg sei die einzige Lösung. Offen darf der Verbandschef dazu nicht aufrufen. Aber Hoppenthaller weiß, wie er die Ärzte zum Systemausstieg bewegen kann: „Wir sind keine Revoluzzer. Aber wir werden nicht länger schweigen.“ Schon vor der Halle hatte sich der Protest der Ärzte lautstark entladen. Im Minutentakt waren Pkw und Busse aus ganz Bayern auf das Gelände gerollt. „Die Politik lässt uns verhungern“, wetterte Hubert Ippisch, Hausarzt aus Samerberg bei Rosenheim. Allzu lange hätten die Hausärzte die ständig wachsenden Belastungen akzeptiert. Jetzt müsse endlich Schluss sein. „Wir überleben nur noch mit Nacht- und Wochenenddiensten“, empörte sich der 45-jährige Mediziner. Weniger ums Geld als um die Zukunft des Hausarzt-Berufes geht es Siegfried Gehrmann. „Wenn wir nicht aufstehen, wird es uns nicht mehr lange geben“, prophezeite der Mediziner aus Siegenburg.
Die Angst vor dem Aufstand der Ärzte ist groß. Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) hat eigens ihre für diese Woche geplante Reise nach Dubai abgesagt. Auch die KVB versucht, Hoppenthallers Vorwürfe mit allen Mitteln zu entkräften. Nur wenige hundert Meter vom Ärzte-Protest entfernt warnte KVB-Chef Munte erneut vor einem Systemausstieg (siehe Interview unten). Doch die Ärzte meinen es offenbar ernst. Tausende weiße Umschläge mit Austrittserklärungen wandern in die 20 aufgestellten Urnen. Dies ist allerdings nur der erste Schritt auf dem langen Weg zum Systemausstieg. Wie viele Mediziner sich bei den Kollegen nicht bloßstellen wollen und einen leeren Umschlag einwerfen, wird erst die Auszählung zeigen. Sind in einem Regierungsbezirk mindestens 70 Prozent der Hausärzte zum Systemausstieg bereit, erfolgt ein weiteres Treffen. Dort wird dann über den endgültigen Ausstieg entschieden.

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Münchner Merkur 10.12.08

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Leserbrief


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